Risiko Zahnimplantat


Vermutlich gibt es keinen Menschen, der früher oder später ohne Zahnersatz auskommt. Früher gab es dafür fast ausschließlich die Methode „die Dritten“, also der Klassiker die Vollprothese, herausnehmbar. Großvater hatte sie nachts neben sich auf dem Nachttisch in einem Glas zu stehen.

Heute sieht Zahnersatz durch ein Implantat anders aus. Zahnwurzeln aus Titan sind der Renner. Gibt es mal eine Lücke im Gebiss, wird die Verwendung von Zahnimplantaten immer beliebter. Denn benachbarte gesunde Zähne müssen nicht mehr abgeschliffen werden, wie bei einer Brücke, um sie dann zu überkronen. Sogar ganze Zahnreihen können Halt an einem Implantat finden, entweder völlig fest oder herausnehmbar über ein Druckknopfsystem. Solange kein Knochenaufbau erforderlich ist, sind die Kosten für den Patienten überschaubar.

Ein starker Kieferknochen ist unerlässlich

Um heraus zu finden, ob der Kieferknochen stark genug ist, muss der Zahnarzt über die Volumentomographie Schnittbilder der Mundhöhle erstellen. Anhand dieser Aufnahmen ist dann zu erkennen, ob es mit dem Zahnimplantat etwas wird. Für erfahrene Zahnärzte ist das Einsetzen eines Implantates zu einem Routineeingriff geworden, welcher in Deutschland inzwischen 1 Million mal jährlich durchgeführt wird. Immer vorausgesetzt, der Kieferknochen ist stark genug.

Aber auch, wenn dies nicht der Fall ist, kann nachgeholfen werden. Aus dem Becken des Patienten können Knochenspäne entnommen und eingepflanzt werden. Bis diese Knochenstücke eingewachsen sind, vergehen meist vier oder fünf Monate. Über eine Computersimulation wird dann der beste Sitz des Implantates errechnet und das kosmetische Aussehen festgelegt.

Hält ein Implantat Jahrzehnte?

Wer sich beim Zahnarzt quälen lässt, soll auch dafür belohnt werden! So sollte man denken. Aber nicht nur Zahnimplantate, auch Brücken, Prothesen und „normale“ Kronen geben über Jahrzehnte sicheren Halt. Implantate haben den Vorteil, dass der Knochen fast optimal belastet wird und dadurch stabil und stark bleibt. Herausnehmbare Prothesen belasten den Knochen meist falsch und können einen Rückbildung des Kieferknochens verursachen. Weiterhin kann es zu Druckstellen im Kiefer kommen, oft vom hin- und herrutschen.

Wer sein Implantat optimal pflegen will, der sollte dreimal täglich Zähne putzen. Die meisten von uns schaffen das nicht. Aber regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sollten schon durchgeführt werden. Dazu gehört auch die professionelle Zahnreinigung. Wer mit dem Rauchen aufhört, wird auch länger vom Implantat haben.

Sind Implantate teuerer und besser?

Leider sind Zahnimplantate heute immer noch fast doppelt so teuer wie herkömmlicher Zahnersatz. Die gesetzlichen Krankenkassen tun sich schwer mit der Kostenübernahme und zahlen fast ausschließlich einen befundorientierten Festzuschuss, die privaten Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten.

Leider ist nicht jeder Zahnpatient auch für Implantate geeignet. Menschen mit besonders schweren Herzerkrankungen, Tumoren oder Diabetes sollten sich nach Aussage von Experten, keine Implantate setzen lassen, da diese Krankheiten oft zu Wunheilungsstörungen führen, kann es zu Entzündungen (siehe auch unsere Seite www.entzuendungen.biz) kommen, was den Implantatverlust zur Folge haben kann.

Was tun bei Fehlern am Implantat?


Leider gelingt das Setzen eines Zahnimplantates nicht immer und aus ist der Traum vom Hollywood Gebiss. Das kann sehr schnell zum Alptraum werden, denn die Belastung körperlicher Seite und auch finanzieller Seite können enorm werden. Fehler finden sich oft bei der schlechten Planung durch den durchführenden Zahnarzt. Schlechte Arbeit des Labors oder einfach durch mangelhaftes Material. Inzwischen gibt es auch schon bei Zahnimplantaten so genannte „Plagiate“, oft aus China, wo heute fast alle Artikel gefälscht werden.

All das kann zu schmerzhaften Entzündungen führen oder auch dem kompletten Verlust des Zahnersatzes. Lockert sich das Implantat und zieht der Zahnarzt dieses immer wieder fest, kann es zu Rissen kommen. Kronen können brechen. Dann hilft nur noch der komplette Ersatz. Wer mit einem solchen Fall zu kämpfen hat, kann sich an die Zahnärztekammer wenden die dort eine Schlichtungsstelle für solche Fälle haben.

Wie sicher sind Zahnimplantate?

Sicherheit Implantate

Zahnimplantate sind sicher besser als ihr Ruf. Schon seit den 1980-iger Jahren sind Zahnimplantate eine wissenschaftlich anerkannte Therapie um Zähne zu sanieren. Auch sind die positiven Ergebnisse gut: Zwischen 90 und 95 Prozent liegt die Haltbarkeit dieser Implantate nach einem ca. 5-jährigen Gebrauch. Viele Experten glauben, dass inzwischen jährlich in Deutschland fast 1 Million Zahnimplantate gesetzt werden. Damit ist fast jeder 20. Zahnersatz ein Implantat.

Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich die Verfahrensweisen und die Materialien immer wieder verändert und sind „vielzählig“ geworden. Fast 400 unterschiedliche Zahnimplantat-Systeme gibt es derzeit weltweit. Obwohl die Vorgehensweise immer gleich ist: Fast immer aus Titan wird eine künstliche Zahnwurzel in den Kieferknochen oben oder unten eingeschraubt, ähnlich eines Dübels. Das Zahnfleisch wird darüber gelegt und dann muss das Ganze ca. 3 bis 6 Monate einwachsen. Erst dann wird mittels eines Verbindungsstückes eine Krone auf die künstliche Zahnwurzel gesetzt.

Trotz aller Perfektion treten immer wieder mal Probleme auf. Sogar nicht wenige, denn bei immerhin fast 15 Prozent, so wird von Experten geschätzt, werden die Implantate locker und lösen sich. Fast immer hat dies mit gegebenen anatomischen Vorraussetzungen zu tun, wie etwa der vorhandenen Knochensubstanz und des Zahnfleisches. Dann kommt es zu einer Entzündung im Bereich des Zahnimplantats.

Experten wollen bessere Kontrolle der Zahnimplantate


Aus der zahnärztlichen Zunft kommt der Vorschlag, so etwas wie einen „Implantat-Pass“ einzuführen. Dort sollte für jeden Patienten festgehalten werden, welches Fabrikat und welche Materialien zum Einsatz gekommen sind. Damit sind evtl. erforderliche Nachbehandlungen besser durchzuführen und es können auch Ersatzteile einfacher, leichter und schneller beschafft werden.

Leider fehlt es vielen niedergelassenen Zahnärzten an ausreichend Kenntnissen in Sachen Implantologie. Die Ausbildungsordnung für Zahnärzte ist mehr als 60 Jahre alt und darin ist nicht an Implantate gedacht, weil es die damals noch nicht gab. Für Zahnärzte ist eine Zusatzausbildung erforderlich um die Implantologie durchführen zu können. Es gibt viele Universitäten die ihren Lehrkatalog um die Implantologie erweitert haben.

Sind Zahnimplantate ein Risiko?

Wer sich über Zahnimplantate (Implantologie) informieren will, kann sich vor Angeboten kaum retten. Das Internet ist voll davon, voll mit Artikeln über Zahnersatz. Doch ob die Offerten seriös sind und die Qualität stimmt – kann kaum ein Patient vorab beurteilen. So erlebte Cornelia Ehrenstein eine böse Überraschung. Zwei fehlende Backenzähne ließ sie durch Implantate (Zahnimplantate) ersetzen. Kurze Zeit später bekam sie unerträgliche Schmerzen. Sie war sicher, ihr Zahnarzt würde helfen. Ein Irrtum.


Cornelia Ehrenstein, Pädagogin:

„Mein Zahnarzt hat versucht, das runterzuspielen. Also er weigerte sich, einen Zusammenhang zu sehen von meinen starken Schmerzen und seinen Implantaten, die wären absolut perfekt, da gäbe es keinen Zusammenhang.“

Aber sie fühlte eine Beule im Kiefer, konnte vor Schmerzen kaum klar denken. Doch ihr Zahnarzt glaubte ihr nicht.

Cornelia Ehrenstein, Pädagogin:
„Ich bilde mir doch nichts ein. Ich habe doch diese Schmerzen und kann mich manchmal überhaupt nicht konzentrieren, weil die langsam nach den Monaten immer stärker wurden.“

Auf eigene Faust ließ sie eine dreidimensionale Röntgenaufnahme machen. Die legte sie Professor Dhom vor, einem renommierten Implantologen und Kieferchirurgen.

Prof. Dr. Günter Dhom, Zahnarzt und Fachzahnarzt für Oralchirurgie:
„Bei der Patientin wurden zwei Implantate im Unterkiefer eingesetzt. Die Implantate stehen nicht im Kieferknochen, nicht in der Achsrichtung hier, sondern sie sind senkrecht eingebohrt worden mit der Folge, dass der Kollege den Kieferknochen perforiert hat und in den Mundboden geraten ist.“

Professor Strunz unterrichtet seit Jahrzehnten Studenten und Kollegen im Implantate setzten. Für ihn ist so ein Fehler nicht nachvollziehbar.

Prof. Dr. Günter Dhom, Zahnarzt und Fachzahnarzt für Oralchirurgie:
„Die Patientin hat selber gemerkt, dass da etwas nicht stimmen kann. Insofern ist es für uns ein Rätsel, warum der Kollege selber das nicht festgestellt hat, sowohl bei der Operation als auch später hin.“

Einen langen Leidensweg hat auch Gerhard Steinmünz hinter sich. Auch er war überzeugt, Implantate seien die beste Lösung. 25.000 Euro hat sein Zahnarzt kassiert, doch den gewünschten Zahnersatz hat der Ingenieur nicht im Mund.

Gerhard Steinmünz, Architekt:
„Also, die 25.000, das ist der Rest davon. Das ist das hier, das sind die 25.000. Also die sind jetzt zusammen geklebt, in Wirklichkeit sind das drei Teile …“

Zurzeit lebt Gerhard Steinmünz mit einem Provisorium. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Ein weiteres Riesenproblem für ihn und andere Betroffene: Implantate sind fast ausschließlich teure Privatleistungen. Die Rechungen sind kompliziert und kaum nachzuvollziehen.

Gerhard Steinmünz, Architekt:
„Sie als Laie sind nicht in der Lage, weder einen Kostenvoranschlag zu prüfen noch eine Rechnung. Und schon gar nicht das, was auf der Rechnung steht. Das sind Verschlüsselungen, die offensichtlich nur ganz wenige Ausgebildete verstehen.“

Inzwischen hat Gerhard Steinmünz einen neuen Kostenvoranschlag bekommen: Rund 15.000 Euro soll er zahlen, um hinzubekommen, was bislang nicht funktioniert hat. Nichts Ungewöhnliches für Rechtsanwalt und Medizinexperten Klaus Bräuchert. Er vertritt mehrere Implantat-Geschädigte und weiß, was auf sie zukommt, wollen sie ihr Recht durchsetzen.

Klaus Bräuchert, Rechtsanwalt:
„Ein solcher Patient muss zunächst einmal unendlich viel Geduld mitbringen, er muss eine ausgesprochen große Leidensfähigkeit haben und er muss regelmäßig auch noch über finanzielle Mittel verfügen, um sich in der Situation rechtlich wehren zu können.“

Ein zunehmendes Problem, denn der Anteil der Privatleistungen, die Zahnärzte in Rechnung stellen, wächst stetig. Einen genauen Überblick hat niemand – auch die Bundesregierung nicht. Gegenüber einem Fernseh-Magazin gibt das Bundesministerium für Gesundheit zu, dass ihm keine verlässlichen Daten zu Zahnimplantaten vorliegen. Ebenso lägen „aktuelle und belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zur Haltbarkeit, … zu Komplikationen und zu Verlustraten …“ nicht vor.

Für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag war die prekäre Datenlage Anlass für eine kleine Anfrage an die Regierung. Ohne Überblick sei es unmöglich, die Qualität der zahnärztlichen Versorgung sicher zu stellen, meint Harald Terpe – Obmann im Gesundheitsausschuss.

Dr. Harald Terpe, Bündnis90/Die Grünen:
„Wir haben Anreize im Gesundheitssystem geschaffen, dass man mit bestimmten Verfahren auch gut Geld verdienen kann, dazu gehören z. B. auch die Implantate in der Zahnmedizin. Und da geht es um finanzielle Interessen und daraus resultiert, dass man sich nicht gern in die Karten gucken lässt, ob diese Methoden, mit denen man gut Geld verdienen kann, auch wirklich qualitätsgesichert sind.“

Denn Implantate sind ein gutes Geschäft. Sie werden fast ausschließlich privat abgerechnet – für Zahnärzte lukrativ, für Patienten teuer.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat nun in einem Positionspapier vorgeschlagen, auch die privaten Zahnarztrechnungen ihrer Versicherten zu kontrollieren. Nur so könnten Qualität und Leistung beurteilt werden.

Ein Mitarbeiter vom GKV-Spitzenverband:


„Da muss geschaut werden, sind die Rechnungen angemessen, wird tatsächlich das hinterher verlangt, was vorher angeboten wurde. Und wenn es teurer geworden ist, gibt es wirklich einen guten Grund dafür? Denn man muss sagen, der normale Patient kann es tatsächlich ja nicht selber beurteilen.“

Für die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung ist diese Forderung eine Zumutung. Ein führender Mitarbeiter der Kassenzahnärtzlichen Bundesvereinigung findet: Der Patient ist schon jetzt selbstbewusst genug.

Ein führender Mitarbeiter der Kassenzahnärtzlichen Bundesvereinigung:
„Also wir haben heute schon den mündigen Patienten, der manchmal sogar schon ein bisschen – ich sage es mal so salopp – nervt, wenn er mit seinen eigenen Therapiewünschen, die er sich aus dem Internet ausgedruckt hat, in die zahnärztliche Praxis kommt und meint eigentlich, die Therapie ganz allein bestimmen zu können. So gesehen, wollen wir die Mündigkeit unserer Patienten bitte nicht unterschätzen.“

Ein Mitarbeiter vom GKV-Spitzenverband:
„In der Theorie klingt das ganz toll, der Patient ist der mündige Bürger, in vielen Dingen kann er es auch selbst beurteilen, aber jeder kennt, glaube ich, die Situation: Ich sitze alleine beim Zahnarzt, der Zahnarzt lächelt mich an, sagt: Sie brauchen dieses, sie brauchen jenes und soll ich gleich anfangen? Manchmal hat man sogar noch Wattetupfer im Mund und kann nur nicken oder Kopf schütteln. Das ist eine Situation, die ist nicht fair.“

Der Bundesgesundheitsminister sieht das anders. Er setzt weiter auf Eigenverantwortung – von Patienten und Zahnärzten. In der Antwort auf die Anfrage von dem Fernseh-Magazin heißt es: Der Zahnarzt übernimmt „persönlich die Verantwortung für die Qualität seiner Leistungen …“

Das hatte Cornelia Ehrenstein eigentlich auch so von ihrem Zahnarzt erwartet. Doch der bestreitet trotz der Beweislage, einen Fehler gemacht zu haben. Dafür zahlen musste bislang nur sie.

Cornelia Ehrenstein, Pädagogin:
„Ich habe die Entfernung bezahlt, ich habe das Neusetzen bezahlt und der Kostenvoranschlag für den Implantataufbau liegt mir auch mit mehreren tausend Euro vor. Und ich habe mir einen Anwalt genommen, d.h. die Anwaltskosten stehen an und die Frage ist auch noch, da man – habe ich den Eindruck – trickst auf der anderen Seite, wie geht das Ganze aus?“

Text von Helga M. Schneider (aus dem Gedächtnis in einem Fernseh Magazin gesehen)